Opfer

In der Regel kennen sich Opfer und Täter. Grundsätzlich kann jeder Mensch Opfer eines Stalkers werden. Das bedeutet auch ganz eindeutig: Das Opfer kann nichts dafür.

Der Teufelskreis
Stadium 1 – Der Teufelskreis beginnt oft mit Selbstvorwürfen.
Gedanken kommen auf wie: „Habe ich zu viel Hoffnung gemacht? Habe ich nicht zu lange gezögert um jetzt STOPP zu sagen? Warum habe ich auf … gehört?“
Empfehlung: Sagen Sie STOPP. Jetzt! – Zum Stalker und auch zu den Selbstvorwürfen

Stadium 2 – Dann folgt meist die Ratlosigkeit des Opfers, wie mit der Situation umzugehen sei.
Oft denken die Opfer: „Das ist doch nicht mehr normal, was kann ich dagegen tun? Merkt … nicht, dass ich das nicht möchte? Wann hört das endlich auf?“
Empfehlung: Sagen Sie STOPP. Jetzt! Und holen Sie sich Rat ein.

Stadium 3 – Als nächstes kommt häufig das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn das Opfer keinen Ausweg findet.
Gedanken können kommen, wie z.B. „Wem kann ich mich anvertrauen? Halten die anderen meine Reaktion möglicherweise für übertrieben und unangemessen?“ Oder sagen sie möglicherweise gar: „Selbst Schuld, hättest Du Dich nicht mit … eingelassen.“
Empfehlung: Suchen Sie Hilfe, und zwar dort, wo man Sie versteht. Jetzt!

Stadium 4 – Das Gefühl ausgeliefert zu sein und nichts dagegen machen zu können, kostet jeden Tag Energie.
Viele Opfer denken: „Ich kann nichts dagegen tun. Es gibt kein Entrinnen. Man wird mich auslachen bzw. mich nicht ernst nehmen, wenn ich meine Erlebnisse schildere. Wem wird man glauben, wenn Aussage gegen Aussage steht. Wenn ich zur Polizei gehe, was passiert dann?“
Empfehlung: Suchen Sie Hilfe – und nehmen Sie sie an.

Stadium 5 – Damit ist der Mut- und Kraftlosigkeit der Boden bereitet.
Übliche Gedanken: „Ich traue mich nicht mehr aus dem Haus. Wenn ich das Haus verlasse, was passiert dann? Ich bleibe im Bett und warte was passiert.“
Empfehlung: Nehmen Sie Hilfe an und finden Sie neuen Mut.

Stadium 6 – Danach breitet sich oft Hoffnungslosigkeit aus.
Mögliche Gedanken sind: „Es hat alles keinen Zweck.“
Empfehlung: Suchen Sie Hilfe und finden Sie Hoffnung für einen neuen Anfang.

Stadium 7 – Die Aussichtslosigkeit in dieser Situation kann bis zu selbstzerstörerischen Gedanken führen
wie: „Wohin soll das führen, wenn das so weitergeht? Ich halte das nicht mehr aus. Am besten wäre, wenn ich nicht mehr da wäre, dann wäre wenigstens alles zu Ende.“
Empfehlung: Lassen Sie es möglichst nicht so weit kommen.

Opfer von Stalking stehen unter Dauerstress. Die Folgen sind sehr häufig Schlafstörungen und Angstzustände. Das kostet Kraft. Daher schafft es ein Opfer oftmals nur noch mit der Hilfe Außenstehender diesem Terror zu entkommen. Es ist intelligent Hilfe zu suchen und Hilfen anzunehmen, wenn man etwas allein nicht schafft.

Generelle Tipps:
• Wenden Sie sich – frühzeitig – an fachkundige Stellen. Wir nennen Ihnen gerne hilfreiche   Adressen.
• Holen Sie sich am besten im Stadium 2 kompetenten Rat ein. Wir helfen Ihnen dabei.
• Achten Sie auf Ihre Gesundheit und gehen Sie rechtzeitig zum Arzt, sobald sich Beschwerden zeigen.

Die besondere Herausforderung:
Der für eine Veränderung notwenige Mut geht bei den Opfern irgendwann verloren. Meist fehlt dann auch die Kraft, um selbst einfache Aufgaben im täglichen Leben meistern zu können. Das führt zu massiven Einschnitten der Lebensqualität der Opfer.
Selbst der Schritt, um nach Hilfe zu suchen, erscheint für viele Opfer zu schwer. Der Leidensdruck muss oftmals sehr groß sein, damit nach konstruktiven Lösungen und zukunftsfähigen Wegen gesucht wird.

Tipp: Seien Sie achtsam – als gute Freundin oder als wohlwollender Freund. Kapselt sich jemand immer mehr ab? Sitz jemand aus unerklärlichen Gründen neuerdings lieber allein zu Hause, als wie bisher gemeinsam etwas zu unternehmen? Hier braucht es behutsame, empathische Menschen, die ein echtes Leid erkennen, die vorsichtig ihre Hilfe anbieten oder die für das Opfer Hilfe suchen – zum Beispiel bei uns.

Die jüngste Entwicklung:
Die Stalker und auch ihre Opfer werden immer jünger. Das Cyber-Stalking, also die Nutzung des Internets und anderer moderner Medien, machen das Beobachten und Verfolgen immer einfacher.

Bei Plattformen wie Twitter werden die „Follower“ sogar zum Folgen und Verfolgen aktiv animiert. Das Cyber-Stalking erleichtert auch das Mobbing. Und ein Stalker, der sein Opfer in der Schule oder beim Arbeitgeber verleumdet und schlecht macht, zeigt damit auch typische Verhaltensweisen eines Mobbers.

Für Kinder und Jugendliche ist die Situation oftmals besonders schwierig. Viele trauen sich nicht mit ihren Eltern darüber zu sprechen. Daher ist die Dunkelziffer hier überdurchschnittlich hoch. Wenn die Eltern informiert werden, dann wissen sie oft nicht wie sie damit umgehen sollen. Sie sind hilflos, überfordert – so wie die Opfer auch.

Doch niemand muss helfen können, wenn ihm dies nicht möglich ist. Es reicht völlig aus nach Hilfe zu suchen, sie zu finden und dann anzunehmen. Melden Sie sich, auch wenn Sie unsicher sind. Wir helfen Ihnen gerne.

Vorsicht:
Der häufigste Fehler besteht darin, das eigene Kind bzw. das Opfer nicht ernst zu nehmen, das Stalking zu beschönigen oder die Ursache für das Stalking beim Opfer zu suchen.

Prominente:
Vor allem bei Prominenten ist die Gefahr ein Opfer von Stalking zu werden besonders groß. Gleichzeitig ist das Thema Stalking für Prominente auch noch besonders sensibel. Sie verdanken ihren Ruhm, ihre Bekanntheit und ihr überdurchschnittliches Einkommen den Fans.

Und wie definiert Wikipedia den „Fan“?
„Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.“ (Quelle: Wikipedia)

Damit wird deutlich, wie schwierig es ist klare Grenzen zu ziehen und daher lautet die nicht immer einfach umsetzbare Empfehlung für die Opfer:

„Steh zu Dir selbst!
Zeig klare Grenzen auf – sonst tun es andere.“

Dazu braucht es Mut und Kraft.

Wir wissen das – teilweise aus eigener persönlicher Erfahrung. Genau dazu wurde die Initiative Gemeinsam gegen Stalking gegründet. Wenn Sie Hilfe suchen, dann melden Sie sich einfach. Wir sind gerne für Sie da.