Handlungen

Das Spektrum der so genannten Stalking-Verhaltensweisen ist sehr umfangreich. Es erstreckt sich anfänglich von permanenten Beobachtungen, Anrufen in kurzen Abständen zu allen Tages- und vor allem Nachtzeiten, bis zu übertriebenen Geschenken.

In dramatischen Fällen kann es jedoch über körperliche Gewalt  bis hin zur Tötung reichen. Eine einzelne Handlung kann dabei nicht automatisch als kriminell eingestuft werden. Eine hohe Anzahl und eine lange Dauer solcher Handlungen werden allerdings als Stalking betrachtet.

Doch die Grenzen sind fließend. Oftmals werden fälschlicherweise auch generelle Störenfriede, Nervensägen oder auch unangenehme oder neugierige Personen als Stalker bezeichnet, obwohl deren Handlungen nicht unbedingt eine Verfolgung darstellen.

Körperliches Attackieren oder die Ausübung von körperlicher Gewalt kommen, nach einer Analyse der Technischen Universität Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring, in ca. 20% aller Fälle vor.

Am häufigsten sind es jedoch die eher „leichten“ Stalking-Handlungen, wie etwa das Telefonieren oder das Sich-Aufhalten in der Nähe des Opfers bzw. das Beobachten, die den überwiegenden Anteil aller Handlungen ausmachen.

Das klingt, mit Abstand betrachtet und auf den ersten Blick, erst einmal gar nicht so schlimm. Aus diesem Grund ernten viele Stalking-Opfer oftmals Unverständnis für ihre Situation, erhalten gut gemeinte und wenig hilfreiche Tipps wie z.B. „einfach ignorieren“ oder bekommen sogar zu hören: „Stell Dich doch nicht so an.“

Doch so einfach ist es damit leider nicht. Hier kommt es auf die individuelle Belastbarkeit und die persönliche Empfindung des Opfers an. So können bereits diese „leichteren“ Formen des Stalkings beim Opfer psychische und physische Reaktionen hervorrufen, die sich mit Dauer des Stalkings entsprechend steigern und individuell zu ernsthaften seelischen und körperlichen Erkrankungen führen – und sich bis zur Arbeitsunfähigkeit entwickeln können. Daher die Bitte:

Nehmen Sie die Hilferufe eines Menschen,
der Opfer eines Stalkers geworden ist, ernst.

Und denken Sie bitte daran: Es kann jeden treffen, das Opfer eines Stalkers zu werden.

Typische Formen der Belästigung sind:

– unerwünschte Anrufe
– Nachrichten per SMS,
– Nachrichten per E-Mail oder
– auf dem Anrufbeantworter
– „Liebesbeweise“ wie Blumen und Geschenke
– hinterlassene Nachrichten am Auto oder an der Haustür
– ständiger Aufenthalt in der Nähe oder
– das Auflauern vor der Wohnung
– oder am Arbeitsplatz
– Sachbeschädigung (Zerstechen der Autoreifen, etc.)
– Kontaktaufnahme über Bekannte oder Freunde
– Drohungen
– das Ausspähen persönlicher Daten

Wer gestalkt wird, für den ist nichts mehr so, wie es vorher war.
Die Folgen von Stalking sind erheblich und keine Bagatelle.
Viele der Stalking-Opfer leiden unter Panikattacken, Albträumen, Schlafstörungen und Depressionen.

Bei Opfern, die sehr langem und intensivem Stalking ausgesetzt sind, kann in Einzelfällen eine posttraumatische Belastungsstörung auftreten.