Erfolgsberichte, Mutmachergeschichten

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Gerne verwenden wir Ihre Erfolgsgeschichte für andere Opfer von Stalking. Natürlich bleiben Sie dabei anonym. Als Leser beachten Sie bitte, dass sämtliche personenbezogenen Daten, Ortsangaben und chronologische Abfolgen, redaktionell anonymisiert/bearbeitet wurden. Dies ändert nichts an den mutmachenden Inhalten und schützt den Verfasser.

Vielen Dank, dass Sie uns Ihre Mutmachergeschichten zum Veröffentlichen mitteilen!

Liebes Beraterteam,
ich habe heute die Sendung "Planet Wissen" gesehen und der Auftritt von Frau Beck dort hat mich sehr beeindruckt.
Ich möchte kurz (und sehr sachlich, ohne emotionale Schilderungen, da es mir um die Fakten geht) meine Erfahrung beschreiben.
Ich hatte eine Beziehung mit einem Mann, die über ca. 3 Jahre ging. Als er eine andere Frau kennen gelernt hatte, machte er Schluss mit mir. Er zog mit ihr zusammen in seine Wohnung.
Nach einiger Zeit schrieb er mir trotzdem SMS, erst relativ "harmlose", dann aber mit sehr sexuellem Inhalt, die mich sehr aufwühlten. Ich habe ihm zurückgesimst, dass er das lassen soll. Das hat er ignoriert.
Daraufhin schrieb ich ihm, dass ich seine Lebensgefährtin informieren könnte, wenn er nicht aufhört.
Daraufhin schrieb er mir, dass er Fotos von mir (die wie in sehr intimen Momenten und in der Situation der größten Vertrautheit gemacht hatten) an meiner Arbeitsstelle verteilt, wenn ich dies tue. Und danach wieder, ich sag es mal direkt: SMS mit pornografischem Inhalt.
Ich muss dazu sagen, dass ich keinerlei Angst hatte, dass er mir auflauert oder ähnliches. Diese SMS haben mich aber sehr in Unruhe versetzt. Ich hatte schon Angst, wenn ich das Signal hörte, dass eine SMS angekommen war. Am schlimmsten war es, als einmal meine beste Freundin zu Besuch war und ich in ihrer Anwesenheit eine SMS mit diesem Text las und ich sehr unruhig wurde und mich bei ihr herausgeredet habe, herumgelogen habe, warum ich jetzt so aufgeregt bin. Ich wollte es ihr nicht sagen, weil sie ihn kennt, aber nicht von dieser Seite.
Ich habe mich jedoch nicht gestalkt (wie ich das verstand) gefühlt, aber trotzdem: ich saß wie das Kaninchen vor der Schlange.
Ich wollte, dass das aufhört. Bisher handelte es sich nur über einen Zeitraum von einigen Tagen, aber ich wusste ja nicht: wann kommt wieder so eine SMS an? Ich wollte das nicht.
Ich schrieb ihm noch einmal: LASS MICH IN RUHE.
In einem Internetforum habe ich mich per Kurznachricht an eine Userin gewandt, von der ich der Meinung war, dass sie sich in Beziehungsdingen auskennt. Sie empfahl mir, einen Rechtsanwalt aufzusuchen. 
Genau das tat ich dann auch. Ich wohne in einer Metropolregion und da sah ich viele Möglichkeiten, habe mir entsprechend eine Rechtsanwältin herausgesucht, weil mich die Internetseite ansprach. Ihr Spezialgebiet war nicht Stalking, sie erschien mir aber vom Bauchgefühl her sympathisch.
Ich habe dorthin gemailt, den Fall geschildert und erhielt einen Termin.
Ich noch kurz anmerken, dass ich auf dem Weg dorthin von Zweifeln geplagt wurde: Soll ich das jetzt wirklich machen? JA - ich führe gern was zum Abschluss, deshalb ging ich dann mit seltsamen Gefühlen in mir doch dorthin.)
Ich schilderte dort meinen "Fall". Ich hatte alle SMS und meine SMS mit "Lass mich in Ruhe" aufgehoben. Die musste ich der Rechtsanwältin zeigen. Das war mir so peinlich!!!
Aber schließlich waren es die Beweise. Sie schrieb sich alles ab.
Sie sagte mir, dass ich GAR NICHTS bezahlen muss, weil ER der Urheber ist. Ihre Kosten muss ER übernehmen. Sie sagte mir sinngemäß: "Sie sind hier, weil er sie belästigt hat, also muss er auch zahlen."
Das Ergebnis: Sie hat in einem Schreiben eine seiner SMS zitiert und ihm mitgeteilt, dass seine Handlung den Tatbestand der Nachstellung, Beleidigung und Drohung erfüllt. Dann kündigte sie ihm eine einstweilige Verfügung an(auf 50 Meter keinen Kontakt und auch nicht per Internet, SMS und sonst irgendwie), ansonsten müsse er eine Strafe von 5500 Euro bezahlen.
Ich habe nie wieder was von ihm gehört.

Warum schreib ich das alles ? 
- Manchmal kann dies auf "einfachem" Wege geregelt werden (Kommt natürlich auf den Charakter des entsprechenden Täters an.) und ohne Polizei.
- Auch "kleinere" Sachen können manchmal schon Straftatbestände sein (Ich wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden und hatte keine Ahnung, dass dies schon als Drohung, Beleidigung und Nachstellung gewertet wird).
- Man muss entschieden NEIN sagen.
- Man darf den Kontakt nicht aufrecht erhalten und muss dabei konsequent bleiben.
- Man muss Beweise sammeln und wenn es schwierig ist, für Beweise sorgen. (Bei mir waren es die SMS, bei Besuchen könnte man sich vielleicht den Nachbarn als Zeugen holen, bei Anrufen in der Firma den Chef oder Arbeitskollegen ins Boot holen.)
- Man sollte sich einer Person anvertrauen.
- Man muss sich in seinem eigenen Interesse überwinden und Hilfe bei Rechtsanwalt oder Polizei suchen.
- Ich hatte KEINERLEI Anwaltskosten.
- Man darf keine Rücksicht nehmen auf den entsprechenden Stalker und man muss in der Lage sein, seine eigenen Persönlichkeitsrechte zu verteidigen. Man muss sich darauf besinnen, dass man ein absolutes Recht darauf hat, sein eigenes Leben so zu gestalten, wie man es selber will und keiner kann einem da ein schlechtes Gewissen machen.

Ich finde es toll, dass Ihre Initiative Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite steht. Ich wünsche Ihnen die notwendige Energie für alltägliche Beratungsarbeit und allen Opfern von Stalking rufe ich zu: Laßt euch nicht unterkriegen! Seid selbstbewußt! Redet mit jemandem!

Viele Grüße